Steinschlag durch vorausfahrenden PKW oder LKW

Haftung bei Steinschlag durch vorausfahrenden PKW oder LKW – ja oder nein?

In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass z.B. die Frontscheibe des eigenen Fahrzeuges einen Steinschlag durch einen vorausfahrenden PKW oder LKW erleidet. Wer kommt in diesem Fall für den Schaden auf?

Wer haftet bei einem Steinschlag durch vorausfahrenden PKW oder LKW?

Wenn Steine durch einen vorausfahrenden PKW oder LKW hochgeschleudert werden, gilt folgende Regel: Wird ein Steinschlag durch einen vorausfahrenden PKW oder LKW verursacht, gibt es meistens nur zwei Ursachen:

  1. Aufschleudern vom Boden
  2. Verlieren von Ladung

 

1. Steinschlag durch vorausfahrenden PKW oder LKW aufgrund Aufschleudern von Steinen vom Boden

Wenn ein Fahrzeug Steine vom Boden aufschleudert und damit beispielsweise die Frontscheibe des Hintermanns beschädigt, trifft den Fahrer des vorausfahrenden Fahrzeugs in der Regel keine Schuld. Die Gerichte sprechen von einem unabwendbaren Ereignis. Dies liegt immer dann vor, wenn sogar der sorgfältigste Fahrer bei mustergültiger Fahrweise den Eintritt des Schadens nicht verhindern kann. Im Ergebnis muss der Verursacher bzw. dessen KFZ-Versicherung nicht haften.

Was gilt bei schlechten Fahrbahn-Oberflächen und im Bereich von Baustellen?

Haftung hängt oftmals davon ab, ob der Schädiger mit dem Schaden rechnen konnte bzw. musste. Wer in einem Bereich überholt, in dem er mit erhöhtem Aufkommen an Kiesel- oder Schottersteinen ( z.B. Baustellen / Kiesgruben / Basaltbruch) rechnen musste, ist der Schadenfall nicht unabwendbar. In diesem Fall haftet der Schadenverursacher.

 

2. Steinschlag durch Verlieren von Ladung

Auch wenn ein LKW Steine oder andere Teile seiner Ladung verliert, tritt die Frage nach dem Verschulden in den Hintergrund. Der Fahrer eines LKWs hat dafür zu sorgen, dass keine Ladung herabfallen und andere schädigen kann. Entsteht beispielsweise ein Steinschlag durch einen vorausfahrenden LKW weil dieser Steine verliert, haftet der Fahrer und seine KFZ-Haftpflichtversicherung ist für den Schaden uneingeschränkt eintrttspflichtig – wegen nicht ausreichend gesicherter Ladung. Eine Ausnahme gilt für Streufahrzeuge, falls der Schaden auch bei vorsichtigem Streuen eingetreten wäre.

Wer muss den Sachverhalt beweisen?

Beweispflichtig ist immer der Geschädigte. Dies ist oftmals schwierig. Der Geschädigte muss stichhaltig und nachvollziehbar darlegen, warum es sich beim Schadenhergang für den vorausfahrenden PKW oder LKW nicht um ein unabwendbares Ereignis handelte.

Fazit:

Wurde ein Steinschlag durch einen vorausfahrenden PKW oder LKW verursacht, weil dessen Ladung auf der Ladefläche oder dem Dachgepäckträger unzureichend gesichert war, muss die Versicherung des Verursachers zahlen.

Wurde ein Steinschlag durch einen vorausfahrenden PKW oder LKW verursacht, weil dieser einen Stein aufgewirbelt hat, trifft den Fahrer in der Regel keine Schuld.

In beiden Fällen können Glasbruchschäden durch Steine über die Teilkaskoversicherung des Geschädigten reguliert werden. Andere Schäden am Fahrzeug (z.B. Blech-, Lack- oder Kunststoffschäden) würden nur von einer bestehenden Vollkaskoversicherung reguliert. Hier ist allerdings die Rückstufung des Schadenfreitsrabattes zu berücksichtigen.
Eine private oder gewerbliche Rechtsschutzversicherung ist für jeden Verkehrsteilnehmer empfehlenswert. Wer weiß schon, was früher oder später passiert…